• 19.10.2026
  • Interview

OT-Sicherheit im Fokus: Warum Unternehmen IT, OT und Physical Security gemeinsam denken müssen

Wer OT nur mit den Mitteln der IT schützt, hat schon verloren. Die Vernetzung von Produktionsanlagen, Gebäudetechnik und Unternehmens-IT schafft neue Chancen, erhöht aber auch die Angriffsfläche für Cyberkriminelle. Im Interview erläutert Cassian Ewert, Solution Engineer bei Claroty, warum klassische IT-Sicherheitskonzepte in industriellen Umgebungen oft nicht ausreichen, welche Rolle Asset Visibility spielt und wie Unternehmen ihre Cyber-Resilienz nachhaltig stärken können.

Geschrieben von Nicole Wörner

Interviewerin und Cassian Ewert sitzen sich mit Mikrofonen im Studio gegenüber

Die Digitalisierung verändert nicht nur die Unternehmens-IT, sondern auch Produktionsanlagen und Gebäudetechnik. Aus vormals getrennten Bereichen entstehen zunehmend vernetzte Infrastrukturen.

Das eröffnet neue Möglichkeiten für effizientere Prozesse, schafft jedoch auch zusätzliche Angriffspunkte für Cyberkriminelle.

Cassian Ewert, Solution Engineer bei Claroty (einem Anbieter von Cybersicherheitslösungen für industrielle Umgebungen und kritische Infrastrukturen), erklärt, warum sich bewährte IT-Sicherheitskonzepte nicht ohne Weiteres auf industrielle Umgebungen übertragen lassen. Im Gespräch geht es unter anderem um Asset Visibility, Cyberresilienz in der OT und die Auswirkungen von NIS2 auf die OT-Absicherung.

Erfahren Sie im Video, warum ein einmal hochgefahrener Hochofen sich nicht eben mal neu starten lässt und was das für die OT-Sicherheit bedeutet.

Cassian Ewert spricht lächelnd in ein Mikrofon und gestikuliert mit der Hand

Kapitelübersicht

  • 0:00 Intro: Die Digitalisierung lässt IT, OT und Physical Security zusammenwachsen
  • 0:27 Was ist OT – und wie unterscheidet es sich von klassischer IT?
  • 1:36 Warum wachsen einst getrennte Welten heute zusammen?
  • 3:48 Welche neuen Risiken entstehen durch die zunehmende Vernetzung?
  • 4:55 Warum lassen sich IT-Sicherheitskonzepte nicht 1:1 auf OT übertragen?
  • 7:28 Wenn Cyberangriffe physische Folgen haben: der veränderte Blick auf Security
  • 10:04 Asset Visibility: Kennen Unternehmen ihre eigenen OT-Systeme wirklich?
  • 12:07 Cyberresilienz in der OT im Vergleich zur klassischen IT
  • 14:03 Welche Bedrohungen bereiten Sicherheitsverantwortlichen aktuell die größten Sorgen?
  • 16:26 Der Einfluss von NIS2 auf die OT-Absicherung
  • 19:29 Ausblick: IT, OT und Physical Security in fünf Jahren
  • 22:02 Drei Empfehlungen für nachhaltige OT-Sicherheit

 

Die Insights auf einen Blick

  • Ein Hochofen lässt sich nicht eben neu starten: Allein die nötige Reinigung vor dem Wiederanfahren kostet einen siebenstelligen Betrag. Deshalb lassen sich IT-Sicherheitskonzepte laut Ewert nicht einfach auf OT übertragen.
  • Echte Transparenz über die eigenen OT-Systeme? Meist existiert bestenfalls eine veraltete Exceltabelle. Ewerts Fazit von einer BSI-Konferenz: „Man kann nur das schützen, was man kennt.“
  • Ein Sicherheitsvorfall in der OT kann Menschenleben kosten, etwa wenn ein gekaperter Fertigungsroboter neben Beschäftigten Amok läuft. Ewerts Vergleich: Seine Urlaubsbilder zu verlieren wäre ihm lieber, als dass ein Kollege von einem Roboterarm getroffen wird.
  • NIS2 ist für Ewert ein wichtiger Treiber, weil die Geschäftsführung damit messbar haftet. Seine Warnung: Manche Unternehmen lassen sich nur ein Konzept für die Schublade erstellen – vorzeigbar für den Auditor, aber nicht gelebt.
  • Ewerts drei Empfehlungen: die eigene OT-Umgebung wirklich kennen, IT und OT so weit wie möglich trennen – und den Notfallplan nicht nur aufschreiben, sondern auch üben, notfalls nachts um zwei mit einem Pager-Anruf.

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