Dass ein kryptografisch relevanter Quantencomputer frühestens in rund fünf Jahren einsatzbereit sein könnte, beruhigt Eric Wood kaum: Wer heute verschlüsselte Datenpakete aus dem Rechenzentrum oder der kritischen Infrastruktur abfängt, kann sie einfach aufbewahren, bis die nötige Rechenleistung zum Entschlüsseln verfügbar ist. Genau dieses „Harvest now, decrypt later“-Szenario treibt laut Wood auch die NSA dazu, mit CNSA 2.0 einen festen Zeitplan für die Umstellung auf Post-Quantum-Kryptografie vorzugeben.
Wie Unternehmen ihre Verschlüsselung jetzt konkret auf den Prüfstand stellen sollten, beschreibt der Beitrag Post-Quantum-Kryptographie: Warum Unternehmen jetzt handeln müssen.
Am weitesten ist dabei ausgerechnet das Rechenzentrum: Seit etwa einem Jahr fragen Sicherheitsverantwortliche dort gezielt nach PQC-Unterstützung für Mikrocontroller. Weil dieselben Sicherheitsingenieure häufig auch die Anforderungen für IoT-Geräte und Industrieanlagen mitprägen, wandert dieser Druck zunehmend auch in smarte Geräte und Anlagen, die zehn bis zwanzig Jahre im Feld bleiben.
Für Infineon ist das ein echter „Supercycle“: PQC wird laut Wood zum Anlass für Redesigns, die Kunden ohnehin längst vor sich hergeschoben hatten – inklusive neuer Formfaktoren, größerer Speicher und zusätzlicher Schnittstellen. Parallel dazu setzt die EU mit dem Cyber Resilience Act eigene Fristen für die Produktsicherheit europäischer Hersteller, während die USA mit CNSA 2.0 den Zeitplan für die PQC-Migration vorgeben.
Der Beitrag Cyber Resilience Act: ENISA-Playbook für Hersteller zeigt, welche konkreten Pflichten der Cyber Resilience Act Herstellern auferlegt.
Darüber hinaus geht es im Gespräch um NIST-Standards wie ML-KEM und ML-DSA, um Krypto-Agilität als Absicherung gegen künftige Algorithmus-Wechsel und um die Frage, ob Europa eigene Kryptografie braucht, um unabhängig zu bleiben. Antworten gibt Eric Wood, Senior Director of Cryptography and Product Security bei Infineon Technologies.

