• 13.10.2026
  • Interview

XDR: „Die Schere zwischen Angriffen und Abwehr geht immer weiter auseinander“

Wer keine Fachkräfte findet, muss Erkennung und Reaktion bündeln. Nikolas Schran, Vice President Sales & Marketing bei G DATA, spricht im Video-Interview auf it-sa 365 darüber, wie Extended Detection and Response (XDR) Unternehmen hilft, trotz Fachkräftemangel und immer professionelleren Angriffen handlungsfähig zu bleiben.

Geschrieben von Nicole Wörner

Nikolas Schran von G DATA im Videointerview in einem Büro

Cyberangriffe laufen heute rund um die Uhr, werden zunehmend KI-gestützt geführt und mehrstufig aufgebaut, während viele IT-Teams, gerade im Mittelstand, personell kaum wachsen. Die Folge: späte Erkennung, Alarmmüdigkeit und im Ernstfall fehlende Erfahrung.

Der Beitrag Mittelstand im Fokus der Cyberkriminalität zeigt, wie stark gerade der Mittelstand im Visier organisierter Cyberkriminalität steht, denn laut BSI-Lagebericht entfallen rund 80 Prozent aller gemeldeten Sicherheitsvorfälle auf kleine und mittlere Unternehmen.

Lässt sich diese Lücke schließen, wenn neue Fachkräfte am Markt schlicht nicht verfügbar sind? Und welche Rolle spielt dabei Extended Detection and Response (XDR), also die Bündelung von Signalen aus Endpunkt, Netzwerk, E-Mail und Logins auf einer Plattform?

Darüber spricht Nikolas Schran, Vice President Sales & Marketing beim deutschen Cybersecurity-Anbieter G DATA, im rund 19-minütigen Video-Interview auf it-sa 365. Im Gespräch geht es unter anderem darum, warum gerade kleine und mittelständische Unternehmen von XDR profitieren, wo Automatisierung an ihre Grenzen stößt, welche Rolle digitale Souveränität bei der Wahl einer Sicherheitslösung spielt und wie XDR Unternehmen bei NIS 2 und DORA unterstützt.

Ein Gespräch darüber, warum Sicherheit heute weniger eine Frage der Tool-Anzahl als eine Frage der richtigen Priorisierung ist.

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Kapitelübersicht

  • 0:00  Intro: Fachkräftemangel trifft auf immer professionellere Angriffe
  • 0:46  Die wachsende Schere zwischen Angriffsprofessionalisierung und Abwehrkapazität
  • 2:12  Was ist XDR und warum gewinnt der Ansatz gerade jetzt an Bedeutung?
  • 3:54  Konkreter Mehrwert im Unternehmensalltag: Sichtbarkeit und Priorisierung
  • 5:36  Ist XDR nur für Konzerne relevant oder auch für KMU/Mittelstand?
  • 7:58  Ergänzung oder Ersatz bestehender Sicherheitslösungen?
  • 9:33  Automatisierung vs. menschliche Entscheidung: Wo bleibt der Mensch im Loop?
  • 11:38  Datenhoheit, Compliance und digitale Souveränität bei der Toolauswahl
  • 14:03  NIS2 und DORA: Wie XDR bei der Regulatorik unterstützt
  • 16:13  Ausblick: XDR in den nächsten 3–5 Jahren
  • 18:43  Fazit und Verabschiedung

 

Die Insights auf einen Blick

  • Die Schere zwischen Angreifern und Verteidigern geht immer weiter auseinander: Cyberangriffe laufen heute rund um die Uhr und werden zunehmend KI-gestützt geführt, während viele IT-Teams personell kaum wachsen. Weil sich die fehlenden Fachkräfte am Markt schlicht nicht finden lassen, muss die Antwort laut Schran woanders ansetzen – in der Bündelung und Automatisierung von Erkennung und Reaktion.
  • XDR bringt Signale aus Endpunkten, Netzwerk, E-Mail und Logins auf einer einzigen Plattform zusammen – und macht so aus scheinbar harmlosen Einzelereignissen, etwa einem auffälligen Login gefolgt von einer ungewöhnlichen Dateibewegung, einen erkennbaren, zusammenhängenden Angriff.
  • Rund 99 Prozent aller Alerts lassen sich laut Schran bereits automatisiert aussortieren. Die Entscheidung in der verbleibenden Grauzone bleibt aber Menschenwerk: Wird ein Produktivsystem isoliert, wer informiert die Geschäftsführung? Genau hier brauche es weiterhin erfahrene Analysten.
  • Von XDR profitiert laut Schran gerade der Mittelstand – „das Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ – und nicht nur Konzerne mit eigenem Security Operations Center. Managed XDR soll selbst einer Zwei-Personen-IT ein Sicherheitsniveau verschaffen, wie es sonst nur DAX-Unternehmen haben.
  • „Security wird nicht in Brüssel gebaut“, sagt Schran – und hält digitale Souveränität trotzdem für entscheidend: Es geht darum, wo Daten verarbeitet werden und welcher Rechtsraum greift, etwa mit Blick auf den US Cloud Act. Für europäische Unternehmen bedeutet Souveränität am Ende vor allem eines: Handlungsfreiheit zu behalten.

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