• 20.10.2026

Shift Left: Warum Security jetzt jeden Entwickler betrifft

Jahrelang beschränkte sich Security für den durchschnittlichen Entwickler auf wenige Dinge: Passwörter mit Salt hashen, Eingaben validieren, die Authentifizierung richtig umsetzen und, wer es ernst meinte und es sich leisten konnte, ab und zu einen Pentest beauftragen, um übersehene Lücken zu finden. Das reicht nicht mehr. Täglich werden rund 267 neue Schwachstellen veröffentlicht, und Angreifer, zunehmend unterstützt durch KI, nutzen Lücken oft aus, bevor sie überhaupt bekannt sind. Dazu schreibt KI mehr Code, als irgendjemand prüfen kann. Damit wird Security zur Aufgabe jedes Entwicklers.

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Security vor der Cloud

Fragt man Entwickler, die seit gut zwei Jahrzehnten Software schreiben, was Security früher für ihren Job bedeutete, passt die Antwort bei den meisten auf einen Post-it. Passwörter mit Salt hashen. Eingaben validieren. Authentifizierung und Sessions sauber umsetzen. Und wem Security wirklich wichtig war und wer es sich leisten konnte, der ließ ab und zu einen Penetrationstest durchführen.

Das ergab Sinn, denn Entwickler verantworteten die Anwendungsschicht. Infrastrukturteams sicherten den Perimeter des Rechenzentrums mit Firewalls und VPNs. Compliance kümmerte sich um Audits und Zertifizierungen. In Sachen Security arbeiteten diese Teams nebeneinander statt miteinander.

 

Die Cloud machte Infrastruktur zu Code

Dann zogen die Workloads in die Cloud, und die physischen Mauern verschwanden. Ein Rechenzentrum ist ein Gebäude: Man schließt die Türen ab, stellt eine Firewall davor und übergibt dem Netzwerkteam die Schlüssel. Ein Cloud-Konto ist Software. Netzwerke, Speicher und Berechtigungen existieren dort nur als Konfiguration, und wer diese Konfiguration ändern kann, verschiebt den Perimeter.

Bald lag diese Konfiguration in denselben Repositories wie die Anwendung. Mit Infrastructure as Code definierten Entwickler selbst die Ressourcen, auf denen ihre Software lief, und ein einziger Pull Request konnte einen Port ins Internet öffnen oder einen Storage-Bucket öffentlich machen. Die Infrastruktur und mit ihr ein Teil der Security wanderten in die Produktteams. DevOps gab diesem Wandel einen Namen, DevSecOps sollte daraus gelebte Sicherheitspraxis machen.

 

Zwei Kurven, die den Job verändert haben

Die Zahl veröffentlichter Schwachstellen steigt seit einem Jahrzehnt: von rund 6.500 im Jahr 2016 auf fast 100.000 in diesem Jahr. KI hat diesen Trend nicht ausgelöst, beschleunigt ihn aber. Dieselben Modelle, die Entwicklern beim Schreiben von Code helfen, helfen Angreifern, die Fehler darin zu finden.

Die größere Veränderung ist das Tempo, mit dem diese Lücken ausgenutzt werden. Aus einer Schwachstelle einen funktionierenden Angriff zu machen, erforderte früher echte Ingenieursarbeit: Zeit, Geld und Fähigkeiten, die nur wenige hatten. KI senkt diese Hürde drastisch. Mit aktuellen KI-Modellen wird aus einer frisch veröffentlichten Lücke innerhalb von Stunden ein funktionierender Angriff, auch in den Händen von Leuten mit deutlich weniger Know-how. Das Zeitfenster ist entsprechend geschrumpft: 2018 brauchten Angreifer im Schnitt rund zwei Monate, 2025 nutzten sie Lücken im Schnitt eine Woche aus, bevor es überhaupt einen Patch gab.

Liniendiagramm zur „Time to Exploit“ von Sicherheitslücken. Die durchschnittliche Zeit zwischen der Veröffentlichung eines Patches und der ersten Ausnutzung einer Schwachstelle sinkt von 63 Tagen (2018) über 44 und 32 Tage auf 5 Tage (2023). Ab 2024 wird die Zeit negativ: −1 Tag im Jahr 2024 und geschätzte −7 Tage im Jahr 2025. Angriffe beginnen damit bereits vor der Veröffentlichung eines Patches.
Abbildung: durchschnittliche Tage zwischen der Veröffentlichung eines Patches und der ersten beobachteten Ausnutzung. Daten: Mandiant (2018 bis 2023) und Google M-Trends 2026 (2024; 2025 geschätzt). Grafik: Amnify.

KI schreibt auch den Code

Eine zweite Entwicklung vergrößert das Risiko zusätzlich: die schiere Menge an Code. Im April 2026 sagte Google-CEO Sundar Pichai, dass inzwischen 75 Prozent des neuen Codes im Unternehmen von KI generiert werden. Bei Anthropic sind es zwischen 70 und 90 Prozent, und Boris Cherny, der Erfinder von Claude Code, sagt, er habe seit Monaten keine Zeile mehr von Hand geschrieben. Software-Security hat sich immer darauf verlassen, dass Menschen Code lesen, bevor er live geht, und das skaliert nicht mehr. Reviews sind zum Engpass geworden: Teams automatisieren oder überfliegen sie, und immer mehr Code landet in Produktion, ohne dass ihn jemand vollständig gelesen hat. Mehr Code bedeutet mehr potenzielle Schwachstellen.

Beides zusammen vergrößert die Gefahrenzone von zwei Seiten: mehr Code, mehr Schwachstellen und Angreifer, die weniger Zeit denn je brauchen, um sie auszunutzen. Für die Übergabe an ein separates Security-Team bleibt keine Zeit mehr. Shift Left ist in der Security jetzt vollständig angekommen.

 

Die Signale verbinden

Die meisten Security-Stacks bestehen noch immer aus Einzellösungen: ein Tool für Endpoints, eines fürs Netzwerk, eines für die Cloud, eines für Code, eines für Secrets. Jedes sieht nur seinen eigenen Bereich und schlägt eigenen Alarm. Im KI-Zeitalter funktioniert dieses Modell nicht mehr. Angreifer halten sich nicht an diese Grenzen, und Risiken lassen sich selten einem einzigen Bereich zuordnen: Ob eine Schwachstelle im Code gefährlich oder harmlos ist, entscheidet die Cloud-Konfiguration, und erst ein Penetrationstest beweist, dass sie sich wirklich ausnutzen lässt. Jedes dieser Signale stammt aus einer anderen Einzellösung. Erst verbunden zeigen sie, worum es wirklich geht und wie dringend es ist.

Stellen Sie sich nun ein Tool vor, das Code, Cloud, Infrastruktur und Runtime scannt, das vorhandene Wissen der Organisation einbezieht und daraus einen Knowledge Graph aufbaut, der jedes Signal mit diesem Kontext verknüpft.

Lange konnte niemand einen solchen Graphen aktuell halten. Er ändert sich mit jedem Commit und jedem Deployment. KI kann dieses Bild heute aufbauen, laufend aktualisieren und darauf reagieren, so schnell, wie Code geschrieben und Angriffe gestartet werden. Deshalb muss Security KI-nativ sein: Alles Langsamere kommt nicht mehr hinterher.

Genau das bauen wir bei Amnify: KI-native Security, die Code, Cloud, Infrastruktur und Runtime zu einem Gesamtbild verbindet, direkt im Engineering-Workflow.

Security ist heute Sache jedes Entwicklers. Mit dem Gesamtbild vor Augen bleibt sie aber beherrschbar.

Amnify auf der it-sa 2026

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Vortrag: „Ein Security-Team, das etwas bewegt (auch wenn du schläfst)“
Vahid Gharavi zeigt, wie ein Team aus KI-Agenten sich den fehlenden Kontext über die Anwendung selbst beschafft und Fixes liefert, die nur noch freigegeben werden müssen.

Mittwoch, 28. Oktober 2026, 16:40 bis 16:50 Uhr
Knowledge Forum E, Halle 9, Stand 9-105