„Prüfe bitte die Unterlagen unseres neuen Software-Dienstleisters. Fasse die wichtigsten Informationen zusammen und weise auf mögliche Sicherheits- oder Compliance-Risiken hin.“
Solche Aufgaben übernehmen KI-Agenten inzwischen in vielen Unternehmen. Sie lesen Dokumente, recherchieren auf Webseiten, gleichen Informationen mit internen Richtlinien ab und bereiten Entscheidungen vor.
Was dabei oft unbemerkt bleibt: Bereits ein unscheinbarer, für Menschen kaum sichtbarer Text in einem Dokument oder auf einer Webseite kann ausreichen, um die Arbeitsweise eines KI-Agenten zu beeinflussen. Statt ausschließlich die angeforderten Informationen auszuwerten, folgt das System plötzlich manipulierten Anweisungen und weicht von seiner eigentlichen Aufgabe ab.
Was zunächst wie ein theoretisches Szenario klingt, beschäftigt Sicherheitsexperten bereits heute. Denn mit der zunehmenden Verbreitung generativer KI und agentischer Systeme entstehen neue Angriffsmöglichkeiten, die sich grundlegend von klassischen Cyberangriffen unterscheiden. Angreifer versuchen dabei nicht mehr ausschließlich, Sicherheitslücken in Netzwerken oder Anwendungen auszunutzen. Stattdessen manipulieren sie die Eingaben, Datenquellen oder Wissensbestände von KI-Systemen. Immer mit dem Ziel, deren Entscheidungen zu beeinflussen.
Auf diese Entwicklung weist auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in einer Analyse aus dem Juni 2026 hin. Das BSI beschreibt, wie Künstliche Intelligenz die Cybersicherheitslandschaft verändert und Unternehmen ihre Sicherheitsstrategien entsprechend weiterentwickeln müssen. Dabei geht es nicht nur um den Einsatz von künstlicher Intelligenz durch Angreifer. Gleichzeitig rücken die KI-Systeme selbst in den Fokus: Sprachmodelle, Copiloten und agentische KI-Systeme verarbeiten große Datenmengen, greifen auf externe Informationsquellen zu und führen eigenständig Aktionen aus. Genau diese Fähigkeiten schaffen neue Angriffsflächen.
Für Unternehmen bedeutet das: Neben den klassischen Cybersecurity-Disziplinen entwickelt sich KI-Sicherheit zu einem wichtigen Baustein. Firewalls, Endpoint Protection und Zero-Trust-Architekturen bleiben unverzichtbar, reichen allein jedoch nicht aus, um KI-Anwendungen wirksam zu schützen. Gefragt sind zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, die speziell auf Sprachmodelle und KI-Agenten zugeschnitten sind.
Eine vertiefende Übersicht über KI als Angriffswerkzeug, Angriffsfläche und Schutzschild bietet das Themenfeld „Künstliche Intelligenz & IT-Security“ der it-sa 365.
Doch welche Angriffsmethoden sind heute tatsächlich relevant? Die folgenden vier Beispiele zeigen, wie Angreifer KI-Systeme manipulieren können und welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen sollten, um ihre Anwendungen wirksam zu schützen.

