Strategische Handlungsfelder für Ihre OT-Resilienz
Regulatorik als Business-Treiber: NIS2, KRITIS und CRA
Die Schonfrist für die Umsetzung von NIS2 ist abgelaufen. Für rund 30.000 Unternehmen in Deutschland gelten nun verbindliche Pflichten im Risikomanagement. Parallel dazu flankiert das neue KRITIS-Dachgesetz die Anforderungen an die physische Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen.
- NIS2-Konformität: Verbindliche Umsetzung von Risikomanagement-Maßnahmen und strengen Vorfallsmeldewegen.
- Cyber Resilience Act (CRA): Aktives Schwachstellenmanagement für Hersteller über den gesamten Produktlebenszyklus ab 2026.
- Haftungsminimierung: Sicherung von Wettbewerbsvorteilen durch frühzeitige Erfüllung gesetzlicher Sorgfaltspflichten.
Ihr Vorteil: Unternehmen, die frühzeitig handeln, sichern sich Wettbewerbsvorteile und reduzieren Haftungsrisiken.
Sicherheit beginnt im Einkauf: OT Security by Design
OT-Sicherheit beginnt bereits vor der Installation. Gemeinsam mit internationalen Behörden wie der CISA und dem BSI wurden 12 Prüfsteine für die Auswahl sicherer OT-Produkte definiert, die sich eng an der internationalen Norm IEC 62443 orientieren.
Dazu gehören:
- Security by Default: Keine Standardpasswörter oder unsichere Voreinstellungen.
- Starke Authentifizierung: Implementierung von Multifaktor-Authentifizierung (MFA) und rollenbasierter Zugriffskontrolle (RBAC).
- Transparente Lieferketten: Einsatz von Software Bill of Materials (SBOM) und Pipeline Bill of Materials (PBOM), um die Integrität jeder Komponente nachzuweisen.
Das Ziel: Sicherheitsrisiken eliminieren, bevor Systeme überhaupt in Betrieb gehen.
Sicherer Fernzugriff: Secure Remote Access
Fernwartung durch Partner und interne Teams ist betrieblich notwendig, stellt aber einen kritischen Angriffsvektor dar. Moderne OT-Umgebungen erfordern Lösungen, die weit über herkömmliche VPN-Verbindungen hinausgehen.
- Remote Privileged Access Management (rPAM): Granulare Kontrolle und Überwachung aller privilegierten Fernzugriffe.
- Auditierbarkeit: Vollständige Sitzungsaufzeichnung zur lückenlosen Nachvollziehbarkeit aller Änderungen an der Steuerungsebene.
- Just-in-Time-Zugriff: Bereitstellung von temporären Zugängen nach dem Zero-Trust-Prinzip statt dauerhafter Netzwerköffnung.
Das Ziel: Den operativen Betrieb durch externe Experten ermöglichen, ohne die Netzwerkintegrität zu gefährden.
Ransomware-Resilienz in OT-Umgebungen
Ransomware-Gruppen fokussieren sich zunehmend auf Produktionsausfälle als Hebel. Eine effektive Verteidigung erfordert den Abschied von der Vorstellung, OT-Sicherheit sei ein reines IT-Problem.
- OT-spezifische Backups: Sicherung von Historian-, HMI- und Engineering-Daten durch unveränderbare (immutable) Speicherlösungen.
- Netzwerksegmentierung: Umsetzung des Zonen-Modells nach IEC 62443 zur effektiven Eindämmung von Schadsoftware.
- Wiederanlaufplanung: Etablierung dedizierter OT-Recovery-Prozeduren zur massiven Reduzierung der Ausfallzeiten (von 42 auf 5 Tage).
Das Ziel: Die Produktion auch unter Angriffsbedingungen aufrechterhalten und die Wiederherstellungszeit minimieren.
Innovationen: KI-Abwehr und Post-Quanten-Sicherheit
Die Bedrohungslage professionalisiert sich durch KI-gestützte Angriffe, die Schwachstellen in „Machine Speed“ finden. Als Antwort setzt die moderne OT-Abwehr auf:
- KI-Anomalieerkennung: Identifikation kleinster Abweichungen im Maschinenverhalten und im Netzwerkverkehr in Echtzeit.
- Virtual Patching: Schutz von Altsystemen (Legacy) durch intelligente Netzwerksperren, wenn direkte Updates nicht möglich sind.
- Krypto-Agilität: Vorbereitung auf künftige Bedrohungen durch quantenresistente Algorithmen und hochsichere Datendioden.
Trend: Unternehmen verschieben den Fokus von reiner Prävention hin zu Cyberresilienz.
OT Threat Intelligence & Geopolitik
Ohne aktuelle Bedrohungsinformationen agieren Teams rein reaktiv. Eine moderne Verteidigung nutzt spezifische Feeds, um Taktiken (TTPs) konkreter Angreifergruppen, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage (BSI Lagebericht 2025), vorab zu kennen.
- Threat-Informed Defense: Priorisierung von Sicherheitsmaßnahmen anhand realer, branchenspezifischer Angreiferprofile.
- Integriertes SecOps: Zusammenführung von IT- und OT-Sicherheit unter einer zentralen Governance (CISO).
- Informationsaustausch: Nutzung von sektorübergreifenden ISACs als Frühwarnsystem gegen staatlich gesteuerte Akteure.
Das Ziel: Vom reaktiven Fehlermanagement zur proaktiven, bedrohungsgesteuerten Sicherheitsstrategie gelangen.