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Symbolbild: Smartphone mit Spam-Email-Angriff
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Spionage-Software boomt auch mitten in Europa

Das Geschäft mit Überwachungssoftware birgt große Gefahren, auch mitten in Europe. Unlängst sorgte die Software Predator für Aufsehen. Spuren wurden auf Geräten des EU-Abgeordneten und Vorsitzenden der griechischen Sozialdemokratischen Partei PASOK, Nikos Androulakis, gefunden. Aufgefallen ist die Spionage-Software durch einen besonderen Service für EU-Parlamentarier. Experten befürchten, dass auch Wirtschaftsspionage mittels Schadsoftware betrieben wird.

Zu den Opfern von Spyware zählen nicht nur Oppositionelle und Regimegegner despotischer Staaten, sondern auch Anwälte, Journalisten und sogar EU-Politiker.

Dubiose Unternehmen erzielen mit fragwürdiger Software riesige Gewinne. Überwachung ist ein großes Geschäft, für die Opfer jedoch sehr gefährlich. Auch mitten in Europa sind Politiker von illegalem Ausspionieren betroffen.

Doppelt hält besser. Nach dieser Devise scheinen ägyptische Behörden beim Ausspionieren eines Oppositionsführers vorgegangen zu sein. Gleich zwei verschiedene Spyware-Varianten installierten Regierungsbehörden auf dessen Telefon. Da es zwei unterschiedliche Behörden waren, liegt allerdings der Verdacht nahe, dass die eine nichts von der Aktion der anderen wusste. Das Ganze kam wahrscheinlich nur heraus, weil das Smartphone aus scheinbar unerklärlichen Gründen plötzlich heiß lief. Nachdem auch Techniker dafür keine Ursache gefunden hatten, beschlich den Oppositionsführer ein entsprechender Verdacht. Er wandte sich an die Forscher des Citizenlabs, die sich schon zuvor mit der Entdeckung von Überwachungs-Software einen Namen gemacht hatten. Und tatsächlich wurden sie auch auf dem Telefon des Oppositionellen fündig. Sie entdeckten neben der hinlänglich bekannten Pegasus-Software der israelischen NSO-Group auf dem gleichen Gerät auch einen neuen Vertreter dieser fragwürdigen Software-Gattung: Predator der Firma Cytrox. Offensichtlich vertragen sich die beiden Programme nicht.

 

Mit dem Telefon einen Raum abhören

Überwachungs-Software wird heimlich auf den Telefonen der Betroffenen installiert und erlaubt dem Angreifer vollständigen Zugriff auf alle Nachrichten, E-Mails sowie sonstige Medien. Außerdem können Mikrofon und Kamera unbemerkt eingeschaltet werden, wodurch nicht nur Telefonate abgehört werden, sondern auch ganze Räume überwacht werden können.

Viel ist über die Herstellerfirma von Predator jedoch nicht bekannt. Nach Recherchen der kanadischen Forschungseinrichtung Citizenlab ist das Unternehmen Cytrox Teil des auf Überwachungs-Software spezialisierten Firmenkonsortiums Intellexa. Dieses nebulöse Unternehmen beschreibt sich auf seiner Webseite lediglich als „ein in der EU ansässiges und reguliertes Unternehmen mit sechs Standorten und F&E-Labors in ganz Europa“. Nach Einschätzung des Citizenlabs besteht der Verdacht, dass es sich hierbei um ein verschleiertes Firmenkonstrukt zur Umgehung von juristischen Regulierungen und Exportbeschränkungen handelt.

Auch in Griechenland sorgt diese Spionage-Software unlängst für Aufregung. Auf Geräten des EU-Abgeordneten und Vorsitzenden der griechischen Sozialdemokratischen Partei PASOK, Nikos Androulakis, wurden Spuren der Spyware Predator gefunden. Auch andere Oppositionspolitiker sollen davon betroffen sein.

 

EU wird aktiv – Untersuchungsausschuss zu Spionageaktivitäten

Aufgefallen ist die Spionage-Software durch einen besonderen Service für EU-Parlamentarier. Diese können ihre Smartphones und Laptops auf installierte Spyware überprüfen lassen. Diesen Dienst der EU hatte auch Androulakis in Anspruch genommen. „Es wurden die Handys von 250 Abgeordneten und Dutzenden ihrer Kollegen überprüft. Auf keinem wurde eine Spur von 'Predator' gefunden, außer auf meinem", sagte er dazu vor Journalisten.

Im Frühjahr dieses Jahres richtete das EU-Parlament einen Untersuchungsausschuss zum Einsatz von Pegasus und anderer Überwachungs-Software in den Mitgliedsstaaten ein. Anlass waren die gegen Oppositionspolitiker gerichteten Spionage-Aktivitäten mit Pegasus in Polen. Doch inzwischen fanden sich sogar auf den Telefonen mehrerer EU-Mitarbeiter Spuren von Überwachungs-Software, unter anderem beim Justizkommissar Didier Reynders sowie bei anderen EU-Beamten. Nachdem die scheinbar weitverbreitete Pegasus-Spyware auch bei thailändischen Oppositionellen und Aktivisten entdeckt wurde, ist der Firmenchef des israelischen Spionagesoftware-Herstellers NSO, Shalev Hulio, zurückgetreten.

Doch auch europäische Unternehmen mischen in diesem Marktsegment mit. Microsoft warnte unlängst vor den Aktivitäten eines österreichischen Unternehmens. Die wachsende Anzahl fragwürdiger Hersteller gibt Experten Anlass zur Befürchtung, dass Spyware auch für Wirtschaftsspionage eingesetzt werden könnte.

Autor: Uwe Sievers