Kabel sind alternativlos
Derzeit sind Kabel alternativlos, nur ein Bruchteil der internationalen Kommunikation erfolgt über Satelliten. Satellitenverbindungen sind bisher langsamer und anfälliger für Störungen. Unterseekabel können weit mehr Daten zu geringeren Kosten übertragen. Während die Kabel früher den großen Telekommunikationskonzernen gehörten, sind es heute IT-Giganten wie Google, Amazon oder Microsoft, die über eigene Unterseekabel verfügen. Der Facebook-Konzern Meta, zu dem auch Instagram und WhatsApp gehören, plant sogar den Aufbau eines eigenen globalen Kabelnetzes. Diese wachsende Abhängigkeit von einzelnen Tech-Konzernen ist auch ein Thema digitaler Souveränität – mehr dazu auf der Themenseite Digitale Souveränität.
Die Kosten für ein Seekabel liegen laut dem Online-Magazin Computerweekly in der Regel im dreistelligen Millionenbereich. Die Verlegung kann Monate dauern. Wo Gefahren für das Kabel drohen, etwa am Ufer oder in flachen Gewässern, wird oft mit einem Pflug eine bis zu drei Meter tiefe Rinne gezogen. Doch das wäre für die gesamte Kabellänge zu aufwendig, daher liegen selbst in so flachen Gewässern wie der Ostsee die Kabel überwiegend auf dem Grund. Das erhöht die Gefahren durch Ankerwürfe oder Fischerei und vereinfacht Sabotage. So wurden im November 2024 Satellitenaufnahmen erstellt, die zeigen, wie ein zu Russland gehörender Frachter in der Ostsee im Zickzack über Unterseekabeln kreuzt. Anschließend waren dort zwei wichtige Kabel beschädigt.
Weil weit mehr als 90 Prozent des weltweiten Datenverkehrs durch Leitungen unter dem Meer transportiert werden, können Störungen verheerende Folgen haben. Angesichts der großen Zahl täglicher Finanztransaktionen, die über diese physische Infrastruktur abgewickelt werden, sind sie zudem eine rein kommerzielle Notwendigkeit.
Die wenigen weltweit verfügbaren Reparaturschiffe sind gut gebucht. Beeinträchtigt werden Reparaturen durch Wetterbedingungen und Zuständigkeiten in internationalen Gewässern. Mitunter kann es daher Wochen oder Monate dauern, bis ein durchtrenntes Kabel instandgesetzt werden kann. Gefährdet sind nicht nur Daten- und Telefonleitungen, auch Stromkabel können beschädigt oder zerstört werden. Als Problem wird auch die geografische Bündelung gesehen, denn viele Trassen treffen an wenigen Landepunkten zusammen, wodurch potenzielle „Single Points of Failure“ entstehen. Genau solche Konzentrationsrisiken sind ein zentrales Thema für Betreiber kritischer Infrastrukturen – mehr dazu auf der ThemenseiteKRITIS – Bedeutung und Schutz.
GUIDE-Abkommen: Guiding Principles for Underwater Infrastructure Defence Exchanges
17 Staaten, darunter Frankreich, Großbritannien, Italien, aber auch Australien, Singapur und Katar, haben kürzlich erstmals eine internationale Vereinbarung zum Schutz von Unterseekabeln beschlossen. Die Kooperation mit Partnern im indopazifischen Raum beruht auf dem Verständnis, dass es sich um eine globale Bedrohungslage handelt. Zum Inhalt des GUIDE-Abkommens zählen verschiedene geplante Maßnahmen. So wollen die Staaten internationale Normen für den Schutz der Kabel festlegen, ein verbesserter Informationsaustausch soll über aktuelle Gefahren informieren und das Militär soll zivile Firmen bei der Überwachung und Reparatur der Kabelwege unterstützen. Wie Technologie zunehmend zur geopolitischen Waffe wird, ordnet die Special Keynote: Technologie als geopolitische Waffe ein.
In Europa existierten bereits zuvor Schutzinitiativen von NATO und EU. So hatte die EU-Kommission am 21. Februar 2025 einen Aktionsplan zur Sicherheit und Resilienz von Unterseekabeln vorgelegt. Dieses Projekt wird durch einen Maßnahmenplan namens „Cable Security Toolbox“ ergänzt, der strategische und technische Vorhaben beinhaltet. Welche zusätzlichen regulatorischen Pflichten sich hieraus ergeben, beleuchtet das Interview KRITIS-Dachgesetz, NIS2 und Cyber Resilience Act.
Zu den geplanten Maßnahmen gehören unter anderem der Ausbau der Kapazitäten der Reparaturspezialschiffe sowie ein Netzwerk von Unterwassersensoren und die Überwachung mit Drohnen, um Sabotage schneller erkennen zu können. Aber auch militärische Abschreckung durch vermehrte Patrouillenfahrten, etwa in der Ostsee, zählt dazu.
Neue Technologien überwachen Kabel
Die bedrohliche Entwicklung der letzten Jahre führt zu einem technologischen Schub neuer Diagnose- und Abwehrtechniken. Bei neuen Verlegungen können beispielsweise SMART-Kabel eingesetzt werden. Smart steht dabei für „Science Monitoring and Reliable Telecommunications“, was bedeutet, dass diese Kabel über integrierte Sensoren verfügen, um Umgebungsdaten in Echtzeit zu erfassen. Diese werden meist direkt in die Signalverstärker, sogenannte Repeater, integriert. Wie sich ähnliche Sensor- und Überwachungskonzepte auch in der industriellen Praxis bewähren, zeigt die Themenseite OT Security.
Der Fokus der Diagnoseverfahren liegt auf Akustik- und Temperaturmessungen. Ein Messverfahren, bei dem Glasfasern als Sensoren wirken, ist das „Distributed Acoustic Sensing“ (DAS), auch verteilte akustische Sensortechnologie genannt. Dabei werden lokale Vibrationen entlang der Strecke sichtbar gemacht, was die Früherkennung von Einflüssen und Störungen ermöglicht. Dazu werden Laserimpulse durch die Glasfaser gesendet. Veränderungen im zurückgestreuten Licht erlauben Rückschlüsse auf Ereignisse wie Vibrationen oder Schwingungen von Schiffen, U-Booten oder geologischen Aktivitäten. Dieses Verfahren kann über sehr lange Kabelstrecken eingesetzt werden.
Eine andere Methodik ist das „Distributed Temperature Sensing“ (DTS). Dabei wird die Temperatur im Kabel überwacht. Die Genauigkeit kann ein Grad Celsius pro Kabelmeter erreichen. Insbesondere bei Stromkabeln können externe Einflüsse zu einer minimalen Temperaturänderung führen, die Rückschlüsse auf das Problem erlauben.
Zu den Anbietern dieser Technologien zählen die israelische Firma CyberRidge und das deutsche Unternehmen AP-Sensing.
Einzelne Staaten versuchen zudem, Gefahren durch regulatorische Vorgaben zu minimieren. So hat Australien ein präventives Genehmigungssystem für das Verlegen von Unterseekabeln eingeführt, wonach Kabel nur in bestimmten geschützten Zonen anlanden dürfen. Das soll Risiken durch Fischerei oder Schifffahrt reduzieren. Frankreich hat eine zentrale Cybersicherheitsstelle eingerichtet, die kritische Infrastrukturen überwacht, wozu auch das Monitoring von Seekabeln gehört. Inwieweit all diese Maßnahmen Sabotage wirksam bekämpfen können, bleibt abzuwarten. Wie es um Regulierung und Resilienz im KRITIS-Sektor insgesamt steht, analysiert der Beitrag Zwischen Regulierung und Resilienz bleibt der KRITIS-Sektor verwundbar.
Wie Aussteller und Staaten den Schutz kritischer Infrastruktur auch abseits der Seekabel vorantreiben, zeigt die Session Souveränität & Cybersicherheit: Cybersicherheit ohne Kompromisse der it-sa Expo & Congress 2025.
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Quellen:
T-Online: Nato macht am Meeresboden mobil
Heise Online: Dänemark setzt Überwasserdrohnen zur Überwachung von Nord- und Ostsee ein
Heise Online: Tiefsee-Kabelschneider: China feiert, Westen fürchtet
Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): „Der Meeresboden ist ein Schlachtfeld“
Defence Network:Norwegen: Israelische Technologie als Schutz für Unterwasser-Glasfaserkabel
APsensing: Homepage
Cyber-Ridge: Homepage
Computer Weekly: Sicherheit von Unterseekabeln: EU-Toolbox und NATO-Schutz

